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„Verdammt, ich kann einfach nicht Nein sagen!“

„Verdammt, ich kann einfach nicht Nein sagen!“
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Hilfsbereite Menschen kommen im Allgemeinen gut an. Sie tragen das Herz auf der Zunge, strahlen authentisch Menschlichkeit und Wärme aus und können einem fast die Probleme, die man hat, von den Augen ablesen. Diese Helfer aus Leidenschaft wirken selbstbewusst, möchten noch nicht mal ein „Danke!“ für ihre Hilfe (wirkt schon fast beleidigend).
Es hat den Anschein, dass sich die Betreffenden in ihrer Rolle wohlfühlen.

„Ich fühle mich gut, wenn ich anderen helfen kann!“

Fragt man solche barmherzigen Samariter, wie Zyniker sie nennen würden, nach der Motivation ihres engagierten Interesses am Du, so erhält man meistens Antworten wie: „Wieso, ist doch normal, dass man sich um andere kümmert!“ oder: „Mir geht’s gut, wenn es anderen gut geht!“
Aber auch hier gilt wieder die altbekannte Weisheit: Alle Extreme sind auf Dauer schlecht!

„Und wer hilft mir jetzt?!“

Die Frage, ob man es mit dem Helferthema eventuell übertreibt, beantwortet sich irgendwann von selbst. Diejenigen, die sich jetzt angesprochen fühlen, werden es wissen: Irgendwann gerät man selbst einmal in eine Situation, in der man nichts mehr geben kann, fix und fertig ist und ein paar gute Worte braucht. Wenn nun seltsamerweise keiner da ist, niemand Zeit hat oder alle zu beschäftigt sind, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: „Ich bin jetzt ein hilfloser Helfer!“

„Tschüss, Schuldgefühle!“

Gewöhnlich findet nur in solchen Momenten, wenn der Leidensdruck entsprechend groß ist, so was wie Selbsterkenntnis und Einsicht statt. Diese „Einsicht“ kann direkt einmünden in eine schwere Depression oder in Substanzmittelmissbrauch.
Wem das Helfersyndrom bekannt vorkommt, muss sich bewusst machen: Man kommt mit dieser Motivation nicht auf die Welt! Bestimmte soziale Erfahrungen führen zur Ausprägung einer extremen Hilfsbereitschaft.
Vielleicht musste man sich schon viel zu früh anpassen, brav sein oder sehr viel Verantwortung in der Familie übernehmen; oder aber man bekam Aufmerksamkeit und Anerkennung vom sozialen Umfeld nur dann, wenn man sich für andere engagierte. Eine andere Möglichkeit: Dem Kind wurde niemals ein Nein gestattet. Es wurde vielmehr gezwungen zu funktionieren. Wurden eigene Bedürfnisse dann mal doch geäußert, startete eventuell die sogenannte Schuldgefühlerziehung: „Was erlaubst du dir? Ohne uns bist du nichts! Wir sind sehr enttäuscht!“
In diesem Fall gilt: Loslassen, was nicht glücklich macht. Reservieren Sie einen oder zwei Tage in der Woche, die sie dafür nutzen, die Mitmenschen um etwas zu bitten. Hierzu muss man sich in der Regel zwingen, aber es kann helfen, sich von seinen irrationalen Schuldgefühlen zu befreien.

Foto: © Antonio Guillem / Fotolia